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Presse

Letztes Konzert im "Festland"

LINDAU - Obwohl sich Ende Januar die Pforten endgültig schließen, hat das auf die Veranstaltungsintensität der Kulturwirtschaft offenbar keine Auswirkungen. Auch nicht auf den guten Besuch, über den sich diesmal der veranstaltende Jazzclub freuen durfte.

Von unserem Mitarbeiter Winfried J. Hamann

Isolde Werner samt ihrer vierköpfigen, klassischen Jazzbesetzung war es es diesmal, die für entsprechende Qualität sorgten. Die vier Musiker - nomem est omen - begannen stilgerecht mit dem Stück"Four Brothers", ohne sich noch allzu viele Gedanken darüber zu machen, ob die räumliche Beschränkung in der Kulturwirtschaft "Festland" eventuell auch dynamische Beschränkungen nach sich ziehen sollte. Jo Stiel aus Ulm widmete sich seiner ungemein figurenreichen Schlagzeugarbeit, die im spannenden Dialog mit dem E-Bass von Wolfgang Kehle für ein zuverlässiges rhythmisches Fundament sorgte.

Immer dann aber, wenn sich die Band lateinamerikanischen Stücken zuwandte - etwa in "Comes love" oder "Nature boy" - fand die Begeisterung der zahlreichen Zuhörer besonders lautstarken Ausdruck; hier war es auch, wo Joe Fessele am E-Piano seine halsbrecherischen Improvisationen anbrachte, die dem brasilianischen Karnevalscharakter dieser Musik deutlich nachzuspüren schienen.

Zum unverwechselbaren Merkmal der Band aber gehört es, wenn Isolde Werner mit ihrer vollkommen intonationssicheren Stimme beinahe instrumental geführte Läufe präsentiert, die mehr als einmal zu einem Frage-Antwort Spiel zwischen Norbert Streits Tenorsaxophon und ihr gerieten. Die Palette ihrer Ausdrucksmöglichkeiten erlaubt es ihr dabei, gefühlvollen Balladen wie "Polka Dots" ähnliche Authentizität zu verleihen wie ihren Eigenkompositionen oder auch solch hinreißenden Stücken wie "Blue in Green" von Miles Davis.
Nicht zuletzt durch die Kombination bekannter Jazz-Standards, eigenwilliger Interpretationen und dem hohen musikalischen Vermögen ist die Band eine gute Adresse fürall diejenigen, die das Lebendige und Kreative dieser Musik hautnah erleben möchten.

Umsomehr können auch die noch folgenden zahlreichen Termine der "Kulturwirtschaft" nicht darüber hinwegtrösten, dass mit diesem Lokal eine wichtige Ausweichstelle für den Lindauer Jazzclub verloren gehenwird.

Jazz im Bock
Etappensieg für Werner

LEUTKIRCH - Sie kam, die "Chefin", Isolde Werner, mit einer hochkarätigen, jazzstudierten Mannschaft - die von ihr gegründete Band "Open House". Im Wesentlichen stellten die Musiker ihre CD vor, in cleverer Werbung.

Von unserem Mitarbeiter H.D. Kiemle

Joe Fessele amPiano entfaltete ein beeindruckendes Farbspektrum mit seiner differenzierten Begleitung und kühn phrasierten Chorussen. Tenorsaxofonist Norbert Streit überzeigte mit vitalen Solopassagen in nicht abreißendem Spannungsbogen. Franz Denzlinger am Schlagzeug erzeugte dezent das stets richtige Timing. Bassist Wolfgang Kehle verstärkte mit seinem butterweich auf tiefste Tiefen eingestellten Gitarrenbass und markantem Achtelnotenbeat das musikalische Fundament.

Dass dennoch nicht immer alles locker lief, lag wohl daran, dass bei einigen Stücken die Noten zu Rate gezogen werden mussten. Sehr komplizierte Unisonopassagen im Bebop-Stil forderten von Sängerin Isolde Werner und den Instrumentalisten ein hohes Maß an synchronem Zusammenspiel. Wunderschön die Ballade "Polka Dots And Moonbeams", welche in den SOer-Jahren durch Bob Cooper und sein Sextett im Stil des Cool Jazz bekannt wurde, hier nun zeitgenössisch eigenwillig "hot" gespielt.
Mitreißende Glanzstücke waren die Latin- und Salsa- Nummem im reizvollen Wechsel von Stimme und Instrumenten, sie sprühten nur so vor afro-südamerikanischer Rhythmik.

Es war nicht zu überhören, dass Sängerin und Band verschiedene Erfahrungswerte des Jazz mitbrachten, was an sich seinen besonderen Reiz im gegenseitigen Austausch hatte. Der Jazz lebt von der Verschiedenheit der musikalischen Charaktere, und es lässt sich voraussehen, dass diese Band in ihrer weiteren Entwicklung große Chancen des Durchbruchs in sich trägt. Das etwas dünn gesäte Publikum jedenfalls war hell begeistert und sparte nicht mit Beifall, der eine Zugabe erheischte.

Alle Ohren auf (Ulm 1996)

Jazzsängerin Isolde Werner mit Band im Cafe d'Art

(sin). Hoppala - zwischen Ulm, Konstanz und Bad Waldsee tut sich einiges in Sachen Jazz.
Bassist Thomas Dirr (einer der Glen Fischbacher) und Pianist Jo Fessele (Funk Unlimited), Norbert Streit am Saxophon (Stinky Groove) und Patrick Manzecchi an den Drums gaben sich ein erstes Stelldichein in der neu gegründeten Formation "Isolde Werner & Open House". Die gitarrespielende Jazzsängerin aus Bad Waldsee stellte ihr Projekt mit beeindruckend versierten Musikern im Cafe d'Art vor und ließ erkennen, daß sich hier eine Gruppe zusammenfand, die nicht uninteresant mit dem jazzigen Erbe der Bebop-Ara umgeht.

Wie der Name schon sagt, ist ihr musikalisches Haus allerdings offen für alles, was innovative Stilbildner hinterlassen haben.
Charlie Parkers "Camarillo" veranlaßt den Saxophonisten zu sprüd-rauhen Aussagen, die von der Sängerin mit ausdrucksstarkem Scat-Gesang unterlegt werden. Dirr treibt mit funkigem Rhythmusgerüst und setzt fette Akkorde auf interessant reduzierte Weise. Wenn Fessele dann in die Keyboardtasten greift, swingt das Schlagzeug mit, als hätte es Flügel.
..Catch a Cry" - ein weiteres Stück im Programm - kommt als samtene Ballade auf einem weich gewebten Bluesteppich genau abgestimmter Klangfarben. Hier zeigt sich, daß die Sängerin ihre anfängliche Unsicherheit ablegen konnte.

Fessele umspielt den Gesang mit Perlläufen und dynamischen Akkordfolgen am Piano, wechselt von weicher Anschlagstechnik zu clusterhaften Splittern, reibt den Blues auf in einem expressiven Solo und heizt mit knackiger Ausdruckskraft. Das Saxophon setzt einfühlsame Splitter auf weiche Tastenlinien, die Thomas Dirr leise kommentiert.

Lady an der Gitarre

Mit fetzigen Sambaklängen geht es nach der Pause weiter. Dirrs butterweiche Baßlinien und Fesseles ,,dreckige" Phrasierung bilden einen reizvollen Kontrast zu der eigenwilligen Akkordmelodie der Lady an der E- Gitarre. Der Schlagzeuger jagt dynamsich über das gesamte Drumarsenal und würzt mit einigen Quentchen polyphon gespielter Trommelwirbel den tanzbaren Sound. Das Rhythmusgerüst der Arrangements bringt die Füße in Fahrt, macht Laune und läßt die Ohren aufsperren, da diese Open-Hause-Musik satt rüberkommt, ohne träge vor sich hin zu dümpeln.

Auch die leisen, genau akzentuierten Elemente des Jazzgesangs überzeugen, selbst wenn der Ausdruck manchmal etwas zu zaghaft erscheint. Die eigenen Kompositionen der Sängerin versprechen noch nicht allzuviel, aber was jetzt noch recht dünne klingt, kann sich ja entwickeln. Bleibt abzuwarten, was Isolde Werner und ihre Jungs zukünftig noch alles auf die Reihe bringen - ein Anfang ist gemacht. Und der klingt nicht uninteressant.